Leben à la carte – und Arbeiten auch?

Heute wird das Leben a la carte propagiert. Zumindest in Internet und Werbung. Möglichst vieles so individuell und bequem gestalten wie möglich ist angesagt. Inklusive Müsli- und Nussmischungen. Dadurch kann sich jeder noch mehr als bisher innerhalb seiner persönlichen Komfortzone aufhalten. Weshalb Abstriche machen? Weshalb Kompromisse? Wenn doch jeder genau das haben kann was er möchte. Auch meine Kinder wollen zu Hause gerne a la carte essen. Und wenn ihnen das Essen nicht zusagt, das offeriert wird, dann holen sie sich eben mal schnell einen Döner. Weshalb Selbstdisziplin? Ein Spiegel-Bestseller lautet: „Einen Scheiß muss ich“

Das Smartphone ist dabei in vielerlei Hinsicht der Schlüssel zum Glück bzw. zu Komfort und Bequemlichkeit. Hiermit kann ich nicht nur schnell googeln, was an Informationen gerade benötigt wird, wie z. B. Öffnungszeiten, Speisekarten und Adressen (fürs Navi), sondern ich kann auch mit dem Rest der Welt im Dauerkontakt sein, über alles Mögliche (und Überflüssige) meine Bewertungen abgeben, Fotos machen und verbreiten, Mails schreiben und beantworten, mein Selbstmanagement betreiben und Musik hören. Außerdem ersetzt das Smartphone reichlich andere Geräte, die hiermit überflüssig geworden sind, wie z. B. die Uhr, den Taschenrechner, den Fotoapparat, die Fernbedienung(en), das Diktiergerät, die Videokamera, den CD-Player, sogar die Wasserwaage…

Das Smartphone ist inzwischen so personalisiert und so wichtig geworden, dass bei Unauffindbarkeit für die meisten Nutzer sofortige Schweißausbrüche mit Panikattacken drohen.

Es ist so gut wie unmöglich geworden, jemanden aufzufordern, sein Smartphone abzugeben. Dies wäre so ähnlich, wie jemanden dazu aufzufordern, sein zu Hause oder sein Leben aufzugeben. Das Smartphone ist also immer dabei. Meist in der Hand- oder Hosentasche. Dabei sondert das Smartphone auch im „Ruhezustand“ Hinweise auf neu eingegangene Anrufe oder Nachrichten ab. In Form von Vibrieren oder Lichtreflexen, mindestens aber durch Text und Licht, der auf dem Bildschirm erscheint. Diese Signale lenken die Mitarbeiter ebenso ab wie Piepgeräusche und andere „Hinweissignale“.

Eine Freundin von mir, die Professorin an einer internationalen Universität ist, sagte mir kürzlich: „Wenn der Inhalt für die Studenten nicht mehr spannend ist, haben innerhalb von 5 Minuten ALLE ihr Smartphone heraus geholt und tippen darauf herum.“

Ähnlich ist es auf Sitzungen und Konferenzen, Tagungen und Seminaren. Klar, wer hat schon Zeit oder Lust, seine immer knapper werdende Zeit angesichts der zunehmenden Informationsflut zu vergeuden? Niemand. Die neuen Nachrichten auf dem Smartphone sind viel interessanter.

Dieser ablenkende und dauerstörende Effekt des Smartphones mit all seinen Möglichkeiten und Funktionen trifft voll die Arbeitswelt. Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell meine Freunde und Bekannten auf private SMS/Whatsapp reagieren, die ich Ihnen innerhalb ihrer Arbeitszeit schicke. Die meisten haben zur Verheimlichung den Hinweis auf die letzte Online-Zeit ausgeschaltet. Die durch Ablenkungen verursachten Arbeitsunterbrechungen senken erwiesenermaßen die Arbeitseffizienz um ca. 50 % nach unten aufgrund des sog. Sägeblatteffekts. Wenn ich bei konzentrierter Arbeit regelmäßig unterbrochen werde, schaffe ich nur die Hälfte dessen, was möglich gewesen wäre. Inzwischen bin ich der Meinung, dass aufgrund der ZUSÄTZLICHEN Störungen durch das eigene Smartphone teilweise 80 % der Produktivität auf der Strecke bleiben.

Wie sollte also ein Arbeitgeber darauf reagieren?

Verbieten erscheint mir relativ nutzlos, da offensichtlich kaum jemand ein Problem damit hat, sein Privatleben im Rahmen der Arbeitszeiten intensiv fortzuführen und private Aufgaben zu erledigen. Aus meiner Sicht sollte lieber offen darüber gesprochen werden und der Rahmen festgelegt werden. Natürlich hat andererseits auch kein Arbeitgeber etwas gegen freiwillige Überstunden und freut sich, wenn die Mitarbeiter auch noch abends ihre Emails lesen und sogar beantworten. Denn das Sofort-Erledigen-Wollen richtet sich (hoffentlich) auch auf berufliche Aufgaben.

Wie kann jedoch verhindert werden, dass die Balance nicht mehr stimmt und uninteressante Arbeit dazu führt, dass sich Mitarbeiter aus Versehen in Kommunikation und sozialen Netzwerken verlieren, Stunde um Stunde vergeht und die Arbeit unerledigt bleibt?

  • Die Arbeit sollte interessant und sinnvoll sein,
  • Ziele sollten auch aus Sicht des Mitarbeiters attraktiv und erstrebenswert sein,
  • die Aufgaben sollten zu den Stärken des Mitarbeiters passen,
  • das Arbeitsklima im Team sollte motivierend sein.

Damit wären wir wieder beim Thema Führung und auch beim Thema Selbstgestaltung und Mitbestimmung. Soll der Mitarbeiter an die Arbeit angepasst werden oder die Arbeit an den Mitarbeiter? Soll der Mitarbeiter so weiter gebildet werden, dass er die Anforderungen erfüllen kann oder sollte er Aufgaben erledigen, die zu seinem Kompetenz- (und Präferenz-)Profil passen?

Fakt ist, dass jeder Job so oder so ausgeführt werden kann. Jeder erledigt die Aufgaben auf seine eigene Art und Weise, die sich mitunter deutlich voneinander unterscheidet. Hier könnten Freiheitsgrade gelebt werden, wenn das Ergebnis stimmt.

Ein guter Start, über diese Themen ins Gespräch zu kommen unter den Kollegen ist ein Teamentwicklungs-Workshop, der mit dem Team-Managfement-System (TMS) unterstützt wird. Hiermit haben wir sehr positive Erfahrungen gemacht, da es um Präferenzen, Stärken und Aufgabenverteilung geht, die für alle nachvollziehbar ist.

Aber auch regelmäßige – vom Chef oder wechselnd von den Kollegen – moderierte Teamentwicklungssitzungen, die in den Alltag integriert sind, stiften großen Nutzen. Hier sollten auch Werte-Diskussionen eingebaut werden. Was ist wichtig? Worauf kommt es an? Was macht Sinn?

Und dann sind wir wieder bei den Fragen, die uns nicht nur in der Arbeit beschäftigen, sondern auch im sonstigen Leben.

Wer gerne eine Teamentwicklung von mir konzipiert und/oder moderiert haben möchte, kann sich gerne unkompliziert melden unter: barbara.guelpen(at)new-mc.com oder anrufen unter 0170-3872213.

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